Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald

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Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald

Die Gedenkstätte Sachsenhausen trauert um Prof. Dr. Alexander Fried

13. Dezember 2022

Die Gedenkstätte Sachsenhausen trauert um den KZ-Überlebenden Prof. Dr. Alexander Fried, der vor wenigen Tagen im Alter von 97 Jahren in Tirschenreuth verstorben ist. Fried war häufig als Zeitzeuge in der Gedenkstätten Sachsenhausen und in der Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald zu Gast, wo er durch die eindringlichen Schilderungen seiner Lebens- und Verfolgungsgeschichte viele junge Menschen tief beeindruckt hat.

Alexander Fried wurde 1925 in der Tschechoslowakei als Kind einer tief religiösen jüdischen Familie geboren. Das sprachbegabte Kind besuchte die Oberschule und die jüdische Religionsakademie. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei und der Gründung eines nationalsozialistischen Satellitenstaates in der Slowakei begann Fried in Vorbereitung auf die geplante Auswanderung nach Palästina eine Tischlerlehre. Im März 1942 wurde er zusammen mit seinen Kameraden der Jugendhachschara verhaftet, kurz darauf aber wieder freigelassen und zur Zwangsarbeit herangezogen.

Als im August 1944 die Verhaftung und Deportation aller Juden in der Slowakei begann, tauchten Alexander und sein Bruder unter. Ihr kranke Mutter, die sie schweren Herzens zurücklassen mussten, wurde kurz darauf nach Auschwitz deportiert und ermordet. Ein junges Paar bot den Brüder Unteraschlupft, bis sie am 6. Dezember 1944 verraten und von der Gestapo verhaftet wurden. Nach Haftstationen im Polizeigefängnis von Silina und im KZ Sered wurden die Brüder im Dezember 1944 in das KZ Sachsenhausen deportiert.

Alexander Fried erhielt die Häftlingsnummer 121.199 und musste im Außenlager bei den Heinkel-Flugzeugwerken Zwangsarbeit leisten, wo er mehrere alliierte Bombardements erlebte. Ende April 1945 trieb die SS ihn zusammen mit rund 30.000 weiteren Häftlingen auf den Todesmarsch, wo er miterleben musste, wie ein Freund neben ihm von einem SS-Mann erschossen wurde. Er selbst erlebte am 3. Mai 1945 in Crivitz seine Befreiung. Sein Bruder wurde im KZ Mauthausen befreit, während sein Vater im April 1945 im KZ Buchenwald umkam.

Nach 1945 studierte Fried zunächst Medizin, später Geschichte, Literatur und Sprachen. Bis zu seiner Emeritierung lehrte der Historiker an zahlreichen renommierten Universitäten im In- und Ausland. Alexander Fried lebte zuletzt in Prag und in Tirschenreuth in der Oberpfalz, der Heimat seiner Frau Dorothea Woiczechowski-Fried. Bis zuletzt engagierte er sich als Zeitzeuge. Bei einer Ansprache beim Jahrestag der Befreiung sagte er im April 2013 in der Gedenkstätte Sachsenhausen: „Selbstverständlich kann ich die Vergangenheit nicht vergessen, und nur zu oft habe ich die Gesichter meiner ermordeten Familienmitglieder und Freunde vor Augen. Aber trotzdem versuche ich, auf die Deutschen zuzugehen, und erhoffe mir dasselbe von ihnen.“

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