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Presseinformationen

13/26: Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und das Historische Archiv des Sicherheitsdienstes der Ukraine vereinbaren enge Kooperation

11. März 2026

Nr.: 13/2026

In Anwesenheit des Botschafters der Ukraine, Oleksii Makeiev, haben heute der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, und der Direktor des Historischen Archivs des Sicherheitsdienstes der Ukraine, Andriy Kohut, in der ukrainischen Botschaft in Berlin einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht neben dem Zugang zu Archivalien eine umfangreiche Zusammenarbeit beider Institutionen vor.

Botschafter Oleksii Makeiev sagte: „Ich hoffe sehr, dass die engeren Beziehungen zwischen beiden Institutionen dazu beitragen werden, historische Fakten künftig noch stärker auf der Grundlage ukrainischer und deutscher Quellen gemeinsam zu erforschen. Ein solcher direkter Zugang zu Archiven und wissenschaftlicher Austausch kann dazu beitragen, historische Entwicklungen differenzierter zu verstehen und die Geschichtsforschung in Deutschland zunehmend von über Jahrzehnte prägenden russischen Deutungsmustern zu lösen.“

Stiftungsdirektor Axel Drecoll erklärte: „Wir sind für diese besondere Kooperation außerordentlich dankbar, die wir auch als gelebte Solidarität mit unseren täglich von russischen Raken und Drohnen bedrohten Kolleginnen und Kollegen in Kyjiw betrachten. Unsere Zusammenarbeit, die jetzt einen formalen Rahmen erhält, hat schon vor längerer Zeit begonnen. Seit einigen Jahren stehen Mitarbeitende unserer Gedenkstätten in regem und freundschaftlichem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen des SBU-Archivs. Trotz der schwierigen Bedingungen infolge des russischen Angriffskrieges haben wir bei unseren Rechercheanfragen stets eine große Unterstützung erfahren, wofür wir sehr dankbar sind. Wir freuen uns darauf, diese gewachsene Kooperation auszubauen und zu intensivieren. Wir hoffen sehr, dass dies bald in Frieden, Freiheit und Sicherheit für uns alle geschehen kann.“

Archivdirektor Andriy Kohut ergänzte: „In unserem Archiv wird der größte Aktenbestand des früheren KGB aufbewahrt, der für die Forschung zugänglich ist. Für alle Arbeitsfelder unserer Vereinbarung enthalten diese Bestände nicht nur Beweise für die Repressionen, sondern auch Hinweise, wie diese Repressionen verheimlicht wurden und welche Auswirkungen sie für jeden einzelnen der davon betroffenen Menschen hatten. Dass wir unserer Kooperation mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten einen formellen Rahmen geben, bedeutet, dass Forschende aus Deutschland in der Lage sein werden, unmittelbar und auf einer konsequenten und nachhaltigen Grundlage mit diesen Primärquellen zu arbeiten. Dies ist für uns von großer Bedeutung, denn im Zentrum unserer Kooperation steht das Individuum und sein Schicksal. Und es ist genau diese Zuwendung zum einzelnen Menschen, die die Zusammenarbeit von Archiven zu etwas macht, das über den bloßen Austausch von Dokumenten hinausgeht.“

Die Kooperation umfasst die historischen Phasen des Nationalsozialismus, der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR und schließt Forschungen zu den Konzentrationslagern und Haftorten in Sachsenhausen, Ravensbrück, Lieberose, Brandenburg und in der Leistikowstraße in Potsdam sowie Forschungen zur Militärspionageabwehr der Roten Armee, zum Ukrainischen Ministerium für Staatssicherheit (MGB) und zum Ukrainischen Kommissariat für Staatssicherheit (KGB) ein. Ein zentraler Bestandteil der Vereinbarung ist die Zugänglichmachung der Bestände im SBU-Archiv zu diesen Themenkomplexen sowie die Unterstützung von Forschenden der Gedenkstättenstiftung bei ihren Recherchen. Außerdem sieht der Kooperationsvertrag einen regelmäßigen Austausch zwischen den beiden Institutionen, gemeinsame Konferenzen, Seminare, Weiterbildungen und Publikationen vor.

Für die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten ist die Kooperation nicht nur im Hinblick auf die Forschung, sondern auch für die historisch-politische Bildungsarbeit von großer Bedeutung. Viele der historischen Zusammenhänge lassen sich nur durch internationale Archivforschung verstehen. Die Zusammenarbeit eröffnet etwa neue Perspektiven für die Erforschung von Häftlingsschicksalen aus der Ukraine in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Gefängnissen. Zu den Forschungsfeldern gehören auch die Schicksale sowjetischer Bürger, die nach 1945 in den Filtrationslagern oder in den Speziallagern der sowjetischen Besatzungsmacht inhaftiert waren, sowie die Tätigkeit der militärischen Spionageabwehr in Potsdam. Hinzu kommen Fälle von mutmaßlichen NS-Tätern, die wegen Verbrechen auf dem Territorium der Ukraine von den westlichen Alliierten 1945 bis 1947 an die Sowjetunion ausgeliefert wurden.

Dazu erklärte Enrico Heitzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Sachsenhausen für die Phase des sowjetischen Speziallagers: „Ein wichtiger Aspekt der Kooperation ist die Bildungsarbeit. Im dreijährigen Projekt „Doc.Lab – Zeitgeschichte forschend und künstlerisch erkunden“, das im Januar begonnen hat, arbeiten Jugendliche mit Archivquellen zum sowjetischen Speziallager und setzen sich kritisch und kreativ mit historischen Repressionserfahrungen auseinander. Gerade in Zeiten zunehmender Instrumentalisierung von Geschichte durch die Politik zeigt sich, wie wichtig offene Archive für eine kritische Geschichtskultur und eine demokratische Gesellschaft sind.“

Hinweis: Fotos von der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages senden wir Ihnen gerne auf Nachfrage zu.

 

Information: www.stiftung-bg.de

 

Kontakt:
Dr. Horst Seferens | Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Heinrich-Grüber-Platz | 16515 Oranienburg | T +49 3301 810920
seferens(at)stiftung-bg.de | www.stiftung-sbg.de


Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

 

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